Pressespiegel // ND vom 17.10.07

Silver Generation« will zur Sonneninsel

Mecklenburg-Vorpommern gilt als Zuwanderungsland für die über 55-Jährigen

Von Jürgen Seidel, Schwerin
Mecklenburg-Vorpommern gilt als ein Bundesland, aus dem viele, vor allem junge Menschen wegziehen. Eine Konferenz in Schwerin wagte zu Wochenbeginn den Perspektivwechsel und thematisierte erstmalig die Zuwanderung in den Nordosten. Dazu legte das TransferNetzwerk Community Medici-ne eine »Zuwandererstudie« vor.
Von 1995 bis 2005 sind knapp 42 000 Menschen über 55 Jahre nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen, vor allem aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Beliebtestes Ziel der Zuwanderer und Rückkehrer ist der Landkreis Ostvorpommern mit der Sonneninsel Usedom, gefolgt von den Landkreisen Nordwestmecklenburg, Rostock, Ludwigslust und Bad Doberan.


Als Gründe wurden laut der Studie zwar in erster Linie private Motive genannt, aber auch das angenehme und reizarme Klima. Mehr als ein Drittel ziehen in ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung, 43 Prozent der Neu-Meck-lenburger und Neu-Vorpommern wohnen zur Miete. Wirtschaftliche Bedeutung bekommt der Trend einer stabilen Zuwanderung der Generation 55+ durch ihr Interesse für Wellness. »Die Erhaltung ihrer Gesundheit wird als wichtig erachtet, die Zuwanderer legen großen Wert auf die eigene Fitness«, sagte Projektleiter Prof. Wolfgang Hoffmann vom Greifswalder Institut für »Community Medicine«. Dafür seien sie bereit, sich finanziell zu beteiligen. Nach seriösen Schätzungen werden in der Branche Gesundheitswirtschaft pro Monat bis zu eine Million Euro bewegt. So schafft die »Silver Generation« neue Arbeitsplätze und möglicherweise gar Anreize für Zuwanderung oder Rückkehr jüngerer Menschen. »Ein Land, in dem sich die Eltern wohlfühlen, ist auch für die Jüngeren und ihre Kinder attraktiv«, so Hoffmann. Allerdings sei das Potenzial nicht ausgeschöpft. Das Land sollte gezielt um die aktive Generation 55plus werben: die Vorzüge des Landes besser vermarkten und maßgeschneiderte Offerten unterbreiten.

Auch die aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Linkspolitikerin Martina Bunge, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Gesundheit, forderte gegenüber ND zielgenauere Angebote und ein stärkeres Ausspielen landschaftlicher Reize. Und Prof. Horst Klink -mann, Aufsichtsratsvorsitzender des BioCon Valley-Netzwerks für Gesundheitswirtschaft, betonte, dass das Land die meisten Ärzte pro Kopf der Bevölkerung aufweist, auch wenn die Angebote ungleich verteilt sind. Das müsse korrigiert werden. Nach Ansicht des Mediziners werde Mecklenburg-Vorpommern spätestens 2015 »ein absolutes Zuwanderungsland« sein.

 

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